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Park Sanssouci in Wort und Bild

16. Mai 2012

Nach dem Besuch der Ausstellung FRIEDERISIKO im Neuen Palais fragte ich mich: Hat Friedrich der Große sich bei der Anlage des Schlossparkes  auch so oft eingemischt wie beim Bau der Schlösser ? War er da auch so streng mit seinen Gärtnern?

Im wunderschönen Band  von Christa Hasselhorst fand ich eine Antwort.Es ist als Gesamtkunstwerk komponiert: das Weinbergschloss ebenso wie das Neue Palais, dazu gehört der Park, in dem diese beiden Schlösser mitsamt den Gartenarchitekturen, wie das Chinesisches Haus, eingebettet sind. In brillanten Bildern des Fotografen Hans Bach zeigt das Buch die Schönheiten und verborgenen Schätze dieses grünen Juwels, das sich über 250 Jahre vom privaten Refugium der Hohenzollern-Könige zur vielbesuchten UNESCO-Welterbestätte wandelte. In zehn Kapiteln werden die Besonderheiten dieser Schatzkammer präsentiert. Botanische Raritäten, romantische Heckenkabinette, opulenter Blumenflor, nostalgische Rosen, Wasserspiele, barocker Formschnitt und englischer Landschaftspark. Architektur und gestaltete Natur vereinen sich zu einem einzigartigen Ensemble von nahezu südländischer Heiterkeit. Eine Park-Promenade mit vielen überraschenden Einblicken. Nach Rheinsberg und Neuruppin bildete der Park von Sanssouci mit seinem stufenweisen Ausbau den Höhepunkt seiner gartenkünstlerischen Aktivitäten. Friedrich II. orientierte sich an den damals üblichen Tendenzen der Gartenentwicklung in Europa. Übrigens blieben seine Gärten immer auch Nutzgärten, die das Obst für die königliche Tafel zu liefern hatten. Es lohnt vor oder nach der Ausstellung der profunden Hobbygärtnerin und Gartenpublizistin zur Hand zu nehmen. Es bleibt zu hoffen, das solch tollen Bücher bald auch zu den anderen Gärten Potsdams und Berlin erscheinen: Neuer Garten, Babelsberg, Charlottenburg und Glienicke. Zu entdecken gibt es noch sehr viel.

Park Sanssouci von Christa Hasselhorst, Hans Bach, Braus Verlag Berlin, 29,95 Euro

Kommt zur Vernunft !

8. Mai 2012

Sehenswert ist die Ausstellung in den Bahnhofspassagen Potsdam mit dem Titel „Sein

Königreich in Bildern”.

Friedrich II. hat viele Spuren hinterlassen, die noch heute im Land Brandenburg sichtbar sind: Ob als Bauherr, als Stadtgründer oder als Beförderer der Siedlungspolitik: Sein nachhaltiger Einfluss auf den Aufbau und die Gestaltung der Städte und Dörfer, ja ganzer Landstriche, ist bis in die heutige Zeit spürbar. Diese Spuren hat der Fotograf Jürgen Hohmuth im Auftrag von Kulturland Brandenburg in seinen Bildern festgehalten. Da gibt es Kolonistendörfer und urbar gemachte Regionen, herrschaftliche Gutshäuser, Schlösser, Tempel und Kirchen, zahlreiche Denkmäler sowie von Friedrich II. gestaltete Städte und Parkanlagen.

Jürgen Hohmuth, geboren 1960, seit 1981 freiberuflicher Fotograf, Arbeiten über Architektur, Stadtleben, Alltag und Theater, 1986-1991 Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, u. a. bei Arno Fischer, seit 1997 Aufnahmen mit dem Foto-Luftschiff, ab 1999 ZEITORT Dokumentarfotografie; lebt in Berlin.

Tipp:  Kulturland Brandenburg veranstaltet am 11. und 12. Mai in einem Ladenlokal in den Bahnhofspassagen ein vielseitiges Programm mit einer kleinen Schau zu den Projekten 2012, mit Musik, Vorträgen, Lesung, Kulinarischem und vielem mehr. sämtliche Fotos: Jürgen Hohmuth

Friederisiko im Neuen Palais

6. Mai 2012

Eigentlich hat er sich überall eingemischt. Der König. Selbst, als Zugluft im Neuen Palais drohte, ließ Friedrich II. kurzerhand die Türfluchten verlegen, baute auch schon mal eine Treppe um. Er war sehr eigensinnig. Das alles zeigt die geniale Ausstellung “Friederisiko” jetzt in seinem größten und prunkvollsten Schlossbau, dem von ihm bis ins Detail gestalteten Neuen Palais im Schlosspark Sanssouci. Ins Zentrum gerückt ist die Persönlichkeit König Friedrichs II. von Preußen. Unter dem Leitmotiv “Friederisiko“ werden seine Ideen, inspirierend, auch provokant und an vielen Stellen überraschend – aus dem authentischen Aufenthalts- und Repräsentationsort des Königs heraus dargestellt und vermittelt. Das Neue Palais ist deshalb das herausragende Schlüssel-Exponat der Präsentation. Es spiegelt das Politik- und Kulturverständnis des gereiften preußischen Königs nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges wider, ließ er es doch als “Fanfaronnade”, Prahlerei, kurz danach errichten..

„Friederisiko“ ist die größte von der SPSG je gezeigte Ausstellung. Sie erstreckt sich im Schloss über ca. 6000 Quadratmetern.  72 Räume sind erstmals zu sehen. Einige sind  80 Jahren wieder zugänglich.

Die Inszenieurng ist gelungen, wie der Besucheransturm zeigt. In den Räumen bzw. Raumfluchten des Neuen Palais werden ein Thema, ein Ereignis oder ein Aspekt aus dem Leben und der Zeit Friedrichs II. durch 500 zusätzliche, spektakuläre Exponate sowie treffende Zitate und kurze erläuternde Texte in sich abgeschlossen vorgestellt. Die in den Räumen des Schlosses und in ausgewählten Gartenpartien im Park Sanssouci an zehn Stationen präsentierten Themen erlauben eine Annäherung an die persönliche Sphäre Friedrichs und stellen darüber hinaus sein vielfältiges politisches und kulturelles Handeln und Wirken vor.

Friederisiko
Leitthema der Ausstellung ist die Verbindung von Friedrich und Risiko zu „Friederisiko“.  Ein Wagnis einzugehen, ist ein wesentlicher Charakterzug des Königs. Friedrich den Großen, sein Leben, seine Gedankenwelt und sein Handeln unter dem Aspekt „Risiko“ zu betrachten, bietet die Gewähr für neue, überraschende, auch provozierende Erkenntnisse. Wie kaum ein Zweiter hat Friedrich in seinem Leben immer wieder alles auf eine Karte gesetzt. Sein Hang zum Risiko war Mittel und Antrieb auf dem Weg zum Ruhm, den er kompromisslos einschlägt.

Das Neue Palais
In den teilweise erstmals zugänglichen und aufwendig restaurierten Sälen und Kabinetten des Neuen Palais sowie an ausgewählten Orten im Park Sanssouci entwickelt sich das Konzept der Ausstellung gleichsam aus Schloss und Garten selbst – als persönlichstem Vermächtnis des Königs. Das Neue Palais, entstanden nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 in nur sechs Jahren Bauzeit, ist ganz bewusst als Triumphdenkmal seines militärischen und persönlichen Ruhmes für die Zeitgenossen und die Nachwelt errichtet worden. Friedrich setzte bei den Planungen zum Bau und zur Innenausstattung konsequent seine Vorstellungen durch. Durch das Schloss flanierend, erfährt der Besucher von den Ess- und Schlafgewohnheiten des Königs, seinem gewöhnlichen Tagesablauf, seinem Verhältnis zu Freunden und (Staats-) Gästen, seiner Einstellung zu Politik, Religion oder Musik bis hin zu seiner eigenen Inszenierung als Philosoph und Imperator. Im Neuen Palais erschließt sich, weshalb und auf welche Weise Friedrich „der Große“ wurde und was ihn für uns heute noch immer als „Großen“ erscheinen lässt. Zugleich öffnet sich eine neue Sicht auf die großen europäischen Themen des 18. Jahrhunderts – auf Staat, Religion, Kultur und Philosophie. Nahezu alle Bereiche des Schlosses mit seinen Seidenstoffen, Damast- und Brokattapeten, einmaligen Parkettfußböden und Möbeln sind dabei als Gesamtkunstwerk zu erleben. In verschiedenen Räumen wird dem Besucher darüber hinaus ein Einblick in den teilweise noch laufenden Restaurierungsprozess gewährt. Nach jahrzehntelanger Schließung erstrahlt so beispielsweise das Untere Fürstenquartier wieder in alter Schönheit. Räume, die meine Generation noch nie gesehen hat: Tressenzimmer, Tassenkopfzimmer, Spindlerkabinett. Zur Ausstellung kann man sie bestaunen.

„Ganz Europa sprach von ihm, ganz Europa nannte ihn einen Helden; aber über seinen Charakter, seine Politik, seine Moral und sein Benehmen als Mensch hörte man die allerverschiedensten Urteile (…).“
Dieudonné Thiébault (1765)

“Friederisiko” im Neuen Palais, Potsdam, 28. April bis 28. Oktober 2012. Man muß Zeit mitbringen oder die Karten im Internet vorher kaufen: www.friederisiko.de.

Der Katalog erschien bei Hirmer und hat auch einen Essayband. Darin ist dann wieder viel Neues über den König zu erfahren. Die Friedrichforschung wird damit mehr als aktualisiert.

Übrigens ein Großteil der Ausstellungtexte ist kindgerecht aufbereitet, mit Audio Guide macht es den Kindern Spaß in die Welt des Monarchen einzutauchen.

Friedrich II. in der Prignitz

2. Mai 2012

Friedrich ruft und alle, alle kommen. Wer nennt die vielen Ausstellungen, die es derzeit gibt ?

 Einige aber sind es wert, unbedingt besucht zu werden. Kulturland Brandenburg macht es mit seinem ambitioinierten Progamm “Friedrich der Zweite von Preuszen – Kommt zur Vernunft !”  möglich.

Friedrich II. nicht nur in Potsdams Neuen Palais bei der opulenten Schau “Friederisiko”, sondern auch in der Prignitz. In Wolfshagen, auf halbem Wege zwischen Hamburg und Berlin, entdeckte ich eineAusstellung, die es wert ist besucht zu werden. Im Rahmen des Kulturland Brandenburg-Jahres  ist im Schloss Wolfshagen die kleine aber feine Schau „Die frühe Friedrich-Verehrung“ zu sehen. Gezeigt werden verschiedene Porträts des Königs, Porträtstiche von Familienangehörigen und Personen seiner Umgebung, Fotos, Porzellane, Bücher, Medaillen und Skulpturen sowie Darstellungen früher Friedrich-Denkmäler. Initiator ist der Förderverein des Schloss-Museums und sein Vorsitzenden, Prof. Dr. med. Bernhard von Barsewisch. Hatte doch Albrecht Gottlob Gans Edler Herr zu Putlitz, der Erbauer des Schlosses seinerzeit mehrere Räume zum Gedenken an den gerade verstorbenen König mit dekorativen Wandmalereien ausschmücken lassen. Dank aufwändiger Instandsetzung und Restaurierung können einige davon heute besichtigt werden, ergänzt mit vielen Bildern, Plastiken, Stichen und Porzellanen. Damit gilt Schloss Wolfshagen, das im Todesjahr Friedrichs des Großen seiner baulichen Vollendung entgegenging, als ein ungewöhnlich originelles Beispiel der frühen privaten Friedrich-Denkmäler in Preußen.Während die Leinwandmalereien des Gartensaals 1952 zerstört wurden, haben sich dieWandmalereien in einem Kabinett erhalten. Sie sind allegorischer Art und zeigen den Preußenkönig in antiker Pose in Form einer Imperatorenbüste mit Zackenkrone – eben in der Gestalt, wie ihn die weit verbreitete Gedenkmedaille des Königlich Preußischen Hof-Medailleurs Daniel Friedrich Loos aus dem Jahre 1786 sowie einige zeitgenössische graphische Werke und Gemälde wiedergeben. Die wandfeste Bemalung mit Friedrich-Szenen und die gemalte Friedrich-Büste, die die Rezeption einer antikisierenden Heldendarstellung in der Provinz sehr kurz nach dem Tod Friedrichs II. belegt, wurden aufwendig restauriert. Toll, dass es einen lesenswerten, reich illustrierten Katalog, zur Schau gibt. Die Ausstellung ist bis Ende Oktober zu sehen.

Adresse: Schloss-Museum Wolfshagen, Putlitzer Str. 16, 19348 Wolfshagen (Gemeinde Groß Pankow) Geöffnet: Mi – So, 11.00 – 17.00 Uhr
 Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, Im Internet: www.schlossmuseum-wolfshagen.com

Tipp für  den 12. Mai

Vortrag mit Dr. Christoph von Katte
    1730: Militärprozeß Kronprinz Friedrich II. – Hinrichtung Hans-Hermann v. Katte.

                                     Schloss-Museum Wolfshagen, Gartensaal 15.00 Uhr.

Professor Bernhard von Barsewisch schreibt: „Ein besonderes Kapitel im Leben des Königs ist sein mißglückter Fluchtversuch 1730, der den Konflikt zwischen Friedrich Wilhelm I. (“Soldatenkönig”) und seinem Kronprinzen Friedrich zuspitzte. Wenn auch die Einzelheiten nicht so abgelaufen sein mögen, wie sie gerade filmisch aufbereitet wurden, die harte Behandlung durch den Vater prägte das Wesen des Kronprinzen mit Sicherheit erheblich. Zu den besonders drakonischen Maßnahmen gehörte, dass der König das Kriegsgerichtsurteil über den Fluchthelfer Hans-Hermann v. Katte von Festungshaft in Todesstrafe umwandelte und diese auch unerbittlich durchführen ließ.
Diese ganz ungewöhnliche Tragödie im preußischen Königshaus und der ganzen brandenburgischen Geschichte hat naturgemäß in der Familie v. Katte immer große Aufmerksamkeit beansprucht.
Eine der frühen Schilderungen der Tragödie ist das Kapitel “Die Erbschaft der Großtante” in Gustav zu Putlitz’ Mein Heim, das wir im Schlossladen als sehr interessante Prignitzer Lektüre in neuer Auflage anbieten können. Durch die nahe Verwandtschaft über die Familie v. Winterfeld kamen die wichtigsten Katte-Bilder im 19. Jahrhundert erst nach Groß Pankow, dann nach Retzin, wo sie bis 1945 verblieben. Dazu gehört auch das inzwischen auf mehreren Ausstellungen gezeigte letzte Bildnis des Hans-Hermann v. Katte von George Lisiewski.
Ein Stück preußischer Geschichte mit lokalem Bezug, erarbeitet von einem Mitglied der Familie v. Katte! Wir freuen uns auf Ihren Besuch.  Eintritt für Vortrag und Museum mit der derzeit laufenden Friedrich-Ausstellung 5,- €.
Unsere Kastellanin, Frau Härtel bietet Kaffee und Kuchen an, ebenfalls für 5,- €, Anmeldung hierfür erbeten: 038789/61063.“


Novalis in Schencks Schlösserbuch

16. Februar 2012

Es gibt noch weitgehend ruhige unbekannte Ecken in Deutschland, Geheimtipps sozusagen. Das Schloss Oberwiederstedt, zwischen Hettstedt und   Sandersleben im einstigen Fürstentum Anhalt gelegen, zählt zweifellos dazu. Am 2. Mai 1772, wurde im kleinen Schlösschen am Fluß Wipper Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg geboren. Besser bekannt unter dem Namen Novalis.

Der deutsche Schriftsteller und Philosoph der Frühromantik (Die blaue Blume)  starb schon 1801 mit 28 Jahren in Weißenfels. Im Geburtshaus zu Wiederstedt lädt ein sehenswertes Novalis-Museum und die Forschungsstätte für Frühromantik zu einer Spurensuche ein. Die Internationale Novalisgesellschaft veranstaltet im Mai eine Festwoche in Wiederstedt.

Das bislang nur Insidern bekannte Schloss wird in dem neuen Band von SCHENCKS Schlösser & Gärten ausführlich vorgestellt. Es steht in einer Reihe mit so bekannten Bauwerken wie Schloss Sanssouci in Potsdam oder Schloss Nymphenburg in München, aber auch Schloss Lübbenau im Spreewald.
Der Vorteil des auch gut als Reiseführer nutzbaren Kompendiums: Übersichtlich nach Bundesländern und Regionen gegliedert, präsentiert das Buch rund 1000 Kulturschätze mit 1500 Farbabbildungen. Über 150 Reiseziele im aktuellsten Führer wurden neu aufgenommen. Die wichtigsten Angaben wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Anreisebeschreibungen sind in Infokästen auf einen Blick zu finden.

Der Guide gilt nicht nur als zuverlässiges Planungsinstrument für Deutschlandtouristen, sondern führt auch durch die Nachbarländer Österreich und  Schweiz sowie  Frankreich (Elsass-Lothringen) und Italien (Südtirol). Weiterhin wurden Reiseziele in den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien aufgenommen.

SCHENCKS Schlösser & Gärten 2012 (19,90 Euro)

König & Kartoffel

5. Februar 2012

 

Mag es noch so kalt und stürmisch sein: auf der Grabplatte über der Gruft für Friedrich den Großen auf der obersten Terrasse von Sanssouci liegen immer Kartoffeln. Warum nur ?
In seinem Buch “Der alte Fritz” Mensch, Monarch, Mythos (Hoffmann und Campe,)  21,99 Euro, versucht Tom Goeller eine Antwort. “Um die Abhängigkeit von dem Grundnahrungsnmittel Korn auf Dauer zu mindern, entschloss sich Friedrich, die Kartoffel, die auch auf minderwertigeren Böden gedieh und weniger anfällig gegen Nässe war, in Preußen einzuführen.”

Die Brandenburger standen dem Gewächs allerdings nicht sehr aufgeschlossen gegenüber. Es brauchte mehrere Kabinettsordern, bis die Kartoffel schließlich salonfähig wurde. So erließ der Monarch am 24. März 1756 die „Circular-Ordre“, mit der er allen preußischen Beamten befahl, sämtlichen Untertanen den Kartoffelanbau „begreiflich zu machen“.
In der Ordre steht u.a. „Als habt Ihr denen Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Früh-Jahr die Pflantzung der Tartoffeln als einer sehr nahrhaften Speise unternehmen.“
Eeiter heißt es: „Wo nur ein leerer Platz zu finden ist, soll die Kartoffel angebaut werden, da diese Frucht nicht allein sehr nützlich zu gebrauchen, sondern auch dergestalt ergiebig ist, daß die darauf verwendete Mühe sehr gut belohnt wird.”
Erst mehrere Hungersnöten halfen den Kartoffelanbau zu aktivieren.
Über der Kartoffel wird allerdings, so Goeller, meist vergessen, dass sich Friedrich genauso vehement für die Kultivierung weiterer Früchte einsetzte. Auch Obstbäumen gedieh er  mit entsprechenden Befehlen entsprechende Aufmerksamkeit an.

Eine Ausstellung im Haus der Brandenburgischen Geschichte will sich ab Sommer dem Thema Kartoffeln und Friedrich intensiv annehmen. Zahlreiche Legenden ranken sich um die „Kartoffelbefehle“ des Königs, viele Geschichten werden seit Generationen überliefert und sind noch immer populär – wie die von absichtlich schlecht bewachten Kartoffelfeldern, um die neugierige Landbevölkerung zum Stehlen der neuartigen Feldfrüchte zu animieren. Und die Verehrer Friedrichs II. lassen es sich bis heute nicht nehmen, sein Grab neben dem Schloss Sanssouci regelmäßig mit Kartoffeln zu schmücken.
Die Ausstellung greift die Legenden und Mythen rund um Friedrich den Großen und die Kartoffel auf und befragt sie nach ihrem tatsächlichen historischen Gehalt. Sie erzählt, wie der große preußische König – genötigt von Missernten und Hungersnöten und beraten von klugen Ökonomen – sich bemühte, die Kartoffel in seinem Land heimisch zu machen und den Anbau dieser neuartigen Feldfrucht zu befördern.
Die Schau verdeutlicht, wie sich mit dem Kartoffelanbau auch die traditionellen Anbaumethoden in der Landwirtschaft veränderten und neue Agrarstrukturen entstanden. Die neue Nahrungsgrundlage stellte aber auch religiöse Vorbehalte in Frage, denn nun stellte sich die Frage: darf eine in der Bibel nicht genannte Pflanze, eine „Heidennahrung“ aus Amerika, das von Gott erbetene tägliche Brot ersetzen?

Entwicklungsgeschichte der Kartoffel

Die Ausstellung stellt die Entwicklungsgeschichte der Kartoffel von der Zier- bis zur landwirtschaftlichen Nutzpflanze vor und verfolgt ihre Einfuhr, Verbreitung und Nutzung im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts. Sie erzählt Alltagsgeschichte, zeigt aber auch, welche grundlegenden wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen der Wandel des mitteleuropäischen Ernährungssystems im 18. und 19. Jahrhundert nach sich zog.
Präsentiert werden zahlreiche Originalexponate aus dem Alltagsleben, landwirtschaftliche Geräte, Küchenutensilien, Pflanzenpräparate, Bilder, Bücher und historische Dokumente, aber auch Filmausschnitte und Hörstationen. Außerdem versprechen Kartoffel-Rezepte des 18. Jahrhunderts aus verschiedenen europäischen Ländern dem Besucher auch ganz praktische kulinarische Anregungen.

Die Ausstellung im HBPG in Potsdam: Friedrich der Große und die preußischen “Tartuffoli”
im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2012 „Friedrich der Zweite von Preuszen. Kommt zur Vernunft“ vom 20.07.2012 – 28.10.2012

 

Gleich vis a vis Friedrichs Reiterstandbild unter den Linden: seine Bücher

2. Februar 2012

Ausstellung „Die Bücher des Königs. Friedrich der Große – Schriftsteller und Liebhaber von Büchern und Bibliotheken“

Zehn Tage lang widmet sich zum Auftakt des Friedrich-Jahres ab kommenden Mittwoch die in der Staatsbibliothek zu Berlin unter den Linden gezeigte Ausstellung „Die Bücher des Königs“ den literarischen Ambitionen des großen Preußenkönigs und seiner Vorliebe für Bücher und Bibliotheken. Den Kern der Ausstellung mit bilden Stücke aus dem privaten Besitz eines anonym bleibenden Sammlers (Bibliotheca Fridericiana P. O.), ergänzt durch Autographe der Staatsbibliothek zu Berlin und des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz sowie durch private Leihgaben. Zu sehen sind 130 Objekte, darunter das um 1739 von Friedrich II. verfasste Manuskript Anti-Machiavel, ein 1740 an Voltaire gerichtetes Schreiben, in dem er um Lektüre und Korrektur des Manuskripts bittet, des Weiteren ein Schreiben Friedrichs an seinen französischen Erzieher und Lehrer Duhan de Jandun. Zu sehen sind die von ihm verfassten General-Prinzipien vom Kriege, gedruckt in seiner Privatdruckerei, sowie zahlreiche Drucke seiner Werke aus verschiedenen Werkstätten. Kupferstiche und Vignetten zeigen Ansichten aus dem Leben und Wirken Friedrichs II., Portraits zeigen die königliche Familie. Zu sehen ist auch eine Auswahl von Literatur – verfasst von antiken und zeitgenössischen französischen Autoren – sowie prachtvoll gestaltete Bücher und künstlerisch äußerst wertvolle Einbände. Die Bibliotheca Fridericiana P. O. ist eine bibliophile Sammlung, die besonders schöne, oft auch mit Widmungen versehene oder aufgrund ihrer Provenienz bedeutsame Stücke umfasst. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Friedrichs eigenen Werken, nach Möglichkeit in erster Ausgabe und seltenen Raubdrucken. Die Büchersammlung wird ergänzt durch Manuskripte, Gemälde, Zeichnungen, Graphik und Skulpturen, von denen ebenfalls einige zu sehen sind. Der Rechtsanwalt und Antiquar Wolfgang J. Kaiser war am Aufbau der Sammlung beteiligt, er kuratierte die Ausstellung sowie den begleitenden Katalog.

„Die Bücher des Königs. Friedrich der Große – Schriftsteller und Liebhaber von Büchern und Bibliotheken“ 8. – 18. Februar 2012

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
Montag bis Samstag, 11 – 19 Uhr, Eintritt frei
240-seitiger Katalog (mit engl. Kurzfassungen), 19,80 Euro

 

Ruhm und Mythos

24. Januar 2012

Den Beinamen “der Große” hat Friedrich schon zu Lebzeiten bekommen. Wegen der vielen gewonnenen Schlachten, oft in auswegloser Situation. Aus heutiger Sicht ist das natürlich ein zweifelhafter Ruhm, schreibt Johannes Unger in seiner opulenten Biografie “FRIEDRICH”, ein deutscher König (Propyläen). Ruhm wollte Friedrich in jedem Fall ernten – koste es, was es wolle. Er wollte als “Großer” in die Geschichte eingehen. Und an diesem Image hat er schon früh gearbeitet.
Wer war Friedrich ? Hochbegabter Visionär oder gefürchteter Tyrann ? Schöngeistiger Philosoph oder kalt berechnender Feldherr ? Zweifellos war er ein König der Widersprüche, der mit der französischen Aufklärung sympathisierte, Preußen reformierte und zur Toleranz aufrief, aber auch Friedensverträge brach, verlustreiche Kriege führte und umfangreiche Gebiete annektierte. Johannes Unger holt ihn vom Sockel der Heroenverehrung herunter auf den Boden der historischen Tatsachen und lässt mit frischem, unbefangenem Blick sein turbulentes Leben Revue passieren.
Zum Beispiel fragte Friedrich – noch als Kronprinz – in seinem Briefwechsel mit Voltaire, ob der französische Philosoph glaube, er, Friedrich, würde einmal als “Großer” in der Geschichte gelten. Voltaire bejahte, der später vor allem Gast der Tafelrunde im Schloss Sanssouci war, natürlich freundlich. Und später hat Friedrich alles daran gesetzt, sich und Preußen tatsächlich groß zu machen. Unger ist Leiter der rbb-Abteilung Dokumentation und Zeitgeschehen des rbb und verantwortlich für den Dokumentarfilm über Friedrich. Zusammen mit dem jungen Historiker Jan Martin Ogiermann gelingt ihm ein interessantes Bild des Königs zu zeichnen.Hier erfährt man Dinge, die woanders fehlen. Detailreich werden einzelne Kapitel abgehandelt.So ist unter “Regierungsarbeit” u.a. zu lesen, dass einst Zehlendorfer Dorfbewohner vom König erstmals ihr Recht an Wald verbrieft wurde – ein Fall fürstlicher Willkür zugunsten der Untertanen und auf Kosten der königlichen Behörden. Für seinen Nachruhm tat Friedrich eben alles……….
Johannes Unger, FRIEDRICH, ein deutscher König, Propyläen (Ullsteinverlag), 16,99 Euro

Blauer Montag

23. Januar 2012

Friedrich kümmerte sich um so gut wie alles. Er unterzeichnete in 46 Jahren  mehr als tausend Erlasse. So auch einen zum “Blauen Montag”. Darüber informiert Norbert Leithold in seinem kurzweilig geschriebenen Kompendium “Friedrich II. von Preussen” (Eichborn, Frankfurt/Main).

Wer Montag unentschuldigt bei der Arbeit fehlte, den mußte der Handwerksmeister bei der zuständigen “Polizei Directio” melden. Wer nach der Verwarnung weiter am Montag blau machte, kam für acht Tage in Arrest, im Wiederholungsfall für zwei Wochen, dann für vier Wochen ins Zuchthaus. Wer dagegen einen Missetäter zur Arbeit am Montag überzeugte, dem wurde “eine billige Vermehrung des Lohnes” zugesagt.
Das Kompendium enthält wichtige Stichworte: von A wie »Abenteurer«,»Abort« oder »Armee« bis Z wie »Zeitungen« oder »Zeremoniell«. Es ist kurzweilig zu lesen.

Friedrich II. ist als Monarch umstritten – und wird es bleiben. Während seiner 46-jährigen Regierungszeit zu einer berühmten Größe von europäischem Rang und im 19. Jahrhundert zur Nationalikone geworden, kippte das deutsche Monument nach zwei Weltkriegen vom Sockel der Verklärung. Nach 1989 tauchten in den Vereinigten Staaten, in Russland und im antiquarischen Handel verloren geglaubte Quellen aus dem Geheimen Preußischen Staatsarchiv wie auch Familienarchive pommerscher und preußischer Adliger wieder auf: Dem Historiker Norbert Leithold bot sich also eine neue Grundlage zu aufklärerischer Erforschung des Lebens von Friedrich II. als Monarch wie als Mensch im Rahmen von Kultur- und Sozialgeschichte des 18. Jahrhunderts. Außerdem bezieht sich Norbert Leithold auf die bisher vernachlässigte politische Korrespondenz des Preußenkönigs, den bislang unbeachtet gebliebenen Nachlass des preußischen Diplomaten Johann Eustach von Goertz sowie auf den immer noch unerschlossenen Briefwechsel der Brüder Friedrichs II.
Norbert Leitholds friderizianisch-preussisch-europäisches Panorama verblüfft von A bis Z – mit vielen Themen, die Friedrich sein Leben lang selbst beschäftigten und die für uns heutige Leser überraschende Einblicke ermöglichen. Gut wären allerdings eigene Stichworte zum Bergbau und zur Königlichen Porzelanmanufaktur gewesen, Tipp für eine Neuauflage.

Norbert Leithold, Friedrich II. von Preußen, 32 Euro, die Andere Bibliothek, Eichborn

Typfasten mit Ralf Moll

22. Januar 2012

Diäten bringen nichts. Das sind auch meine Erfahrungen. Irgendwann setzt der Jojo-Effekt ein. “Was haben wir schon alles in den letzten Jahren ausprobiert.” Nichts habe so  richtig geholfen,  höre ich immer wieder. 

Auch die oft praktizierte Methode „FdH“ führt zu einem Basen- und Nährstoffmangel mit vielen sauren Zwischenprodukten im Stoffwechsel. Warum also nicht einmal in schöner Umgebung, auf La Palma, mit netten Menschen zusammen Fastenwandern zu praktizieren ? Wir haben es nun ausprobiert und waren begeistert.  Unser Fastenleiter Ralf Moll gilt als Erfinder des Typfastens, einer Weiterentwicklung der Fastenmethode nach dem Arzt Otto Buchinger.

Von Ralf Moll sind unter anderem folgende Bücher erschienen: Schlank statt sauer – mit Gisela Held und “Individuell fasten”  (beide im Südwest Verlag).

Nein,  keine Nulldiät oder nur dünne Suppen. Sondern sonnengereifte Früchte (Früchtefasten),  frisch gepresste Säfte oder leckere  Gemüsesuppen (Suppenfasten) kamen auf den Tisch.  Für viele ist das Einstellen des Körpers auf einen gesunden Säure-Basen-Haushalt der erste Schritt zu einem gesunden Leben. Denn nichts steht dem Wunsch nach Gewichtsabnahme mehr im Weg als ein übersäuerter, blockierter Stoffwechsel.
„Fit in 7 Tagen“,  Energie tanken, seine Akkus wieder auffüllen, sich verwöhnen lassen und sich einfach wieder wohl fühlen in „seiner Haut“, das ist das Ergebnis nach einer Woche Typfasten.

Der schönste Nebeneffekt: wir sind gewandert und haben die wohl  schönste Insel der Kanaren La Palma mit ihren vielen Eigenheiten bei ausgiebigen Wanderungen kennengelernt. Und besonders beeindruckt haben während oftmals anstrengender Wanderungen die grandiosen Ein- und Ausblicke in die Landschaft. Der Roque de los Muchachos und die Caldera de Taburiente sind uns nun gut vertraut. Aber auch Tazacorte, Puerto Naos oder Los Llanos de Ariadne haben wir besucht.

Fasten liegt deutschlandweit und darüber hinaus im Trend.

Davon zeugt die wachsende Zahl von Fastenwandergruppen und Fastenhäusern zwischen Nordsee, Schwarzwald, Allgäu und Österreich. So ist Fastenwandern in der Toskana oftmals ein Jahr im Voraus ausgebucht.
Auch Fasten und Reiten sowie Fasten und Golfspielen werden angeboten.
Ebenso Fasten und Tanz, der Beispiele gibt es viele.
Fragen werden meistens gern beantwortet. Aber es gibt auch Fastenleiter, die nur das Notwendigste sagen. Darunter leiden vor allem Erstfaster. Der Erfahrungsbericht der Schweizer Schriftstellerin Blanca Imboden auf ihrer Homepage ist nur die sogenannte Spitze des Eisberges.
Eine gute Hilfe bei der Vorbereitung ist die Homepage von Familie Engel aus Hittisau in Österreich. Immer gelobt werden u.a. der Bachtelhof , der renommierte Fastenarzt Dr. med. Henk C.  Hietkamp im Gräflichen Parkhotel zu Bad Driburg (Detox und FX-May) sowie Menschels Resort ind Bad Sobernheim  (Felke-Kur) sowie das traditionelle und auch modifiziert angebotene Fasten in verschiedenen Klöstern. Empfehlenswert ist immer ein Blick in entsprechende Foren, so auf Fasten für alle und Heilfastenkur.de
Fasten liegt ist Trend. Das befand auch mehrmals, 2007 (Autor: Jörg Blech) und zuletzt in einer Titelgeschichte  2011 der Spiegel.

Fasten hilft bei vielen Beschwerden

Gesundheitsexperten empfehlen bei bestimmten Krankheiten, wie Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Gelenk-, Muskel- und Sehnenbeschwerden, zu fasten. Doch die Diskussion dazu ist kontrovers.  Für das Gesund Magazin und die Tageszeitung Die Welt schrieb ich mehrmals ausführlich über meine ganz eigenen Erfahrungen des Fastens.

 Heilfasten ist keine Nulldiät, sondern trainiert die Bereitschaft, verzichten zu können und bewusst etwas für die Gesundheit zu machen. Ich jedenfalls fühle mich nun wieder topfit.
Mein wichtigster Tipp aber an die Fasteninteressenten: wählt den Veranstalter gut aus, schaut nicht nur auf die Homepage,  sondern hört Euch bei fastenerfahrenen Freunden um. Es wird höchste Zeit, das Fastenhäuser, Fastenleiter und Fastenhotels regelmäßig zertifiziert werden. Denn nur so kann Qualität bewertet werden. Sonst mehren sich bald die Stimmen, dass Fastenwillige nur abgezockt werden. Von gesundheitlichen Sorgen einzelner Fastender und Kommunikationsproblemen in der Gruppe  wegen fehlender Sozialkompetenz der Fastenleiter ganz zu schweigen.

Wir machten mit dem Team von Ralf Moll bereits das 2. Mal beste Erfahrungen. Übrigens kommen 75 Prozent der Teilnehmer bei Typfasten wieder: in das  Fastenhaus im Schwarzwald oder eben nach La Palma oder in die Toskana. Schaut selbst, die Bilder erzählen „Lachen ist basisch“.

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