6. Mai 2012
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Grottensaal, Foto: SPSG
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Konzertzimmer, Foto: SPSG
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Foto: SPSG
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SPSG
Eigentlich hat er sich überall eingemischt. Der König. Selbst, als Zugluft im Neuen Palais drohte, ließ Friedrich II. kurzerhand die Türfluchten verlegen, baute auch schon mal eine Treppe um. Er war sehr eigensinnig. Das alles zeigt die geniale Ausstellung “Friederisiko” jetzt in seinem größten und prunkvollsten Schlossbau, dem von ihm bis ins Detail gestalteten Neuen Palais im Schlosspark Sanssouci. Ins Zentrum gerückt ist die Persönlichkeit König Friedrichs II. von Preußen. Unter dem Leitmotiv “Friederisiko“ werden seine Ideen, inspirierend, auch provokant und an vielen Stellen überraschend – aus dem authentischen Aufenthalts- und Repräsentationsort des Königs heraus dargestellt und vermittelt. Das Neue Palais ist deshalb das herausragende Schlüssel-Exponat der Präsentation. Es spiegelt das Politik- und Kulturverständnis des gereiften preußischen Königs nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges wider, ließ er es doch als “Fanfaronnade”, Prahlerei, kurz danach errichten..
„Friederisiko“ ist die größte von der SPSG je gezeigte Ausstellung. Sie erstreckt sich im Schloss über ca. 6000 Quadratmetern. 72 Räume sind erstmals zu sehen. Einige sind 80 Jahren wieder zugänglich.
Die Inszenieurng ist gelungen, wie der Besucheransturm zeigt. In den Räumen bzw. Raumfluchten des Neuen Palais werden ein Thema, ein Ereignis oder ein Aspekt aus dem Leben und der Zeit Friedrichs II. durch 500 zusätzliche, spektakuläre Exponate sowie treffende Zitate und kurze erläuternde Texte in sich abgeschlossen vorgestellt. Die in den Räumen des Schlosses und in ausgewählten Gartenpartien im Park Sanssouci an zehn Stationen präsentierten Themen erlauben eine Annäherung an die persönliche Sphäre Friedrichs und stellen darüber hinaus sein vielfältiges politisches und kulturelles Handeln und Wirken vor.
Friederisiko
Leitthema der Ausstellung ist die Verbindung von Friedrich und Risiko zu „Friederisiko“. Ein Wagnis einzugehen, ist ein wesentlicher Charakterzug des Königs. Friedrich den Großen, sein Leben, seine Gedankenwelt und sein Handeln unter dem Aspekt „Risiko“ zu betrachten, bietet die Gewähr für neue, überraschende, auch provozierende Erkenntnisse. Wie kaum ein Zweiter hat Friedrich in seinem Leben immer wieder alles auf eine Karte gesetzt. Sein Hang zum Risiko war Mittel und Antrieb auf dem Weg zum Ruhm, den er kompromisslos einschlägt.
Das Neue Palais
In den teilweise erstmals zugänglichen und aufwendig restaurierten Sälen und Kabinetten des Neuen Palais sowie an ausgewählten Orten im Park Sanssouci entwickelt sich das Konzept der Ausstellung gleichsam aus Schloss und Garten selbst – als persönlichstem Vermächtnis des Königs. Das Neue Palais, entstanden nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 in nur sechs Jahren Bauzeit, ist ganz bewusst als Triumphdenkmal seines militärischen und persönlichen Ruhmes für die Zeitgenossen und die Nachwelt errichtet worden. Friedrich setzte bei den Planungen zum Bau und zur Innenausstattung konsequent seine Vorstellungen durch. Durch das Schloss flanierend, erfährt der Besucher von den Ess- und Schlafgewohnheiten des Königs, seinem gewöhnlichen Tagesablauf, seinem Verhältnis zu Freunden und (Staats-) Gästen, seiner Einstellung zu Politik, Religion oder Musik bis hin zu seiner eigenen Inszenierung als Philosoph und Imperator. Im Neuen Palais erschließt sich, weshalb und auf welche Weise Friedrich „der Große“ wurde und was ihn für uns heute noch immer als „Großen“ erscheinen lässt. Zugleich öffnet sich eine neue Sicht auf die großen europäischen Themen des 18. Jahrhunderts – auf Staat, Religion, Kultur und Philosophie. Nahezu alle Bereiche des Schlosses mit seinen Seidenstoffen, Damast- und Brokattapeten, einmaligen Parkettfußböden und Möbeln sind dabei als Gesamtkunstwerk zu erleben. In verschiedenen Räumen wird dem Besucher darüber hinaus ein Einblick in den teilweise noch laufenden Restaurierungsprozess gewährt. Nach jahrzehntelanger Schließung erstrahlt so beispielsweise das Untere Fürstenquartier wieder in alter Schönheit. Räume, die meine Generation noch nie gesehen hat: Tressenzimmer, Tassenkopfzimmer, Spindlerkabinett. Zur Ausstellung kann man sie bestaunen.
„Ganz Europa sprach von ihm, ganz Europa nannte ihn einen Helden; aber über seinen Charakter, seine Politik, seine Moral und sein Benehmen als Mensch hörte man die allerverschiedensten Urteile (…).“
Dieudonné Thiébault (1765)
“Friederisiko” im Neuen Palais, Potsdam, 28. April bis 28. Oktober 2012. Man muß Zeit mitbringen oder die Karten im Internet vorher kaufen: www.friederisiko.de.
Der Katalog erschien bei Hirmer und hat auch einen Essayband. Darin ist dann wieder viel Neues über den König zu erfahren. Die Friedrichforschung wird damit mehr als aktualisiert.
Übrigens ein Großteil der Ausstellungtexte ist kindgerecht aufbereitet, mit Audio Guide macht es den Kindern Spaß in die Welt des Monarchen einzutauchen.
Tags: Friedrich II., König, Neues Palais